Die Ziege und das Q-Fieber Leserbrief TAH Dr. med. vet. Werner zum Q-Fieber

In Ihrem Artikel vom 16.12.2009 (CDU/FDP/UWG-Antrag zum Ziegenprojekt sorgt für Fragen und Kritik) stellen Sie die Frage, ob das Q-Fieber Auswirkungen auf eine Genehmigung der geplanten Ziegenhaltung auf dem Heidbrink hätte. Das hat es natürlich nicht. Sonst könnte man ja auch keine Schweine oder Hühner mehr halten, nur weil es Schweine- und Geflügelpest gibt und die Tiere eventuell daran erkranken könnten.

Aber von was reden wir hier überhaupt? Was ist "Q-Fieber"? Es handelt sich um eine durch Bakterien (Coxiella burnetii) verursachte Zoonose (d.h. vom Tier auf den Menschen übertragbar), die 1937 erstmals in Australien unter dem Namen "Query-Fieber" beschrieben wurde und unter den verschiedensten Namen weltweit verbreitet ist. Sie wird u.a. von Zecken auf Schafe und Ziegen übertragen und gelangt von dort zum Menschen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nur selten. Auch in Deutschlang tritt die Erkrankung immer wieder auf, es handelt sich dann meist um regional begrenzte Ausbrüche im Zusammenhang mit Schafhaltungen. Der Mensch infiziert sich über die Atemwege mit sporenähnlichen Stadien, die überwiegend mit dem Mist in der Umwelt gelangen, dort über Jahre infektiös bleiben und mit dem Wind bis zu 2 km weit transportiert werden können. Infektionen beim Menschen verlaufen zu 50 – 60 % symptomlos, bei den übrigen Erkrankten stehen grippeähnliche Symptome im Vordergrund (Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen). Es können aber auch Komplikationen wie Lungen-, Leber- und Herzklappenentzündungen auftreten, sowie Früh- und Fehlgeburten und vereinzelte Todesfälle. Bei ca 1 % der Erkrankten entwickelt sich eine chronische Infektion, die über Jahre mit Antitiotika behandelt werden muß.

In den Niederlanden, wo seit einigen Jahren große Milchziegenbetriebe angesiedelt sind, spielt sich derzeit der weltweit größte Q-Fieber-Ausbruch ab. Während vor 2007 maximal 15 Erkrankungsfälle pro Jahr nachgewiesen wurden, sind in diesem Jahr bisher 2300 Personen erkrankt und 6 verstorben. Untersuchungen haben eindeutig die großen Ziegenbestände als Quelle der Ausbrüche identifiziert. Die Bekämpfungsmaßnahmen werden von Woche zu Woche hektischer, während man bis November noch dachte, man könne das Geschehen durch breitflächige Ziegenimpfungen kontrollieren, wurde jetzt die Tötung von 36000 Ziegen angeordnet.

Ein Q-Fieber-Ausbruch im Weserbergland hätte für Bevölkerung, aber auch für den Tourismus, insbesondere den Weserradweg, katastrophale Auswirkungen. Wegen der außerordentlichen Widerstandsfähigkeit des Erregers ist auch noch Jahre nach einem Erstausbruch mit Erkrankungsfällen zu rechnen. Q-Fieber bietet zwar keine rechtliche Grundlage für eine Ablehnung des Ziegenprojekts Heidbrink, aber vielleicht eine ethische?

Dr. med. vet. Vera Werner

Holzminden

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