Käfighaltung stoppen! Mindeststandards auch in Niedersachsen umsetzen

"Käfighaltung ist Tierquälerei. Dass CDU-Agrarminister Ehlen den eng begrenzten Platz der Hühner noch weiter einschränken will, ist eine Gefälligkeit für wenige Hühnerbarone", so der verbraucherschutzpolitische Sprecher der Landtagsgrünen Christian Meyer auf der heutigen Pressekonferenz.

Auszüge aus dem Faltblatt:

Am 31. Dezember 2008 endet die Übergangsfrist auch für die rund 250 Hühnerbarone in Niedersachsen, die ca. 12 Millionen Hühner in tierquälerischen Legebatterien halten. Dann müssen sie auf eine andere Haltungsform umstellen. Die "Kleingruppenhaltung" für 20 bis 60 Tiere soll die alten Käfige ersetzen. Doch im Käfig sitzen die Tiere auch dann – nur steht jedem Huhn der Kleingruppe jetzt statt 550 cm2 eine Mindestfläche von 800 cm2 Platz zur Verfügung. Das entspricht ca. eineinhalb DIN A4-Blätter, etwa eine halbe DIN A4- Seite mehr als zuvor. Immer noch deutlich zu wenig. Zusätzlich muss für jeweils bis zu zehn Hennen ein Einstreubereich von mindestens 900 cm2 Fläche eingerichtet werden. Dieser zusätzliche Nestbereich, der dadurch für jede Henne entsteht, entspricht der Größe eines Bierdeckels (siehe unten links). Dies gilt bundesweit ab 2009 ...  ... ÜBERALL? NUR NICHT IN NIEDERSACHSEN! Der schwarz-gelben Landesregierung ist das anscheinend noch zu viel Komfort: Entgegen den bundesweiten Vorgaben will Niedersachsen das vorgeschriebene Legenest in die "uneingeschränkt nutzbare" Fläche pro Henne einrechnen. Durch diese eingerechnete "Ehlen-Ecke" bekommen die Legehennen in Niedersachsen durchschnittlich 90 cm² weniger Platz als in allen anderen Bundesländern. Diese Gefälligkeit für die tierquälerischen Käfighalter ist rechtswidrig. Denn in der neuen Verordnung ist ausdrücklich angegeben, dass die nutzbare Fläche die Nestfläche nicht enthält. Diese muss den Hennen zusätzlich uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Niedersachsen ist mit fast 13 Millionen Hühnern, die jedes Jahr rund 3,5 Milliarden Eier legen, bundesweit Spitze. Jedes dritte Ei kommt aus Niedersachsen. Es ist ein Skandal, dass die niedersächsische Landesregierung die ohnehin schon völlig unzureichende Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung unterwandert und den Platz für die Tiere noch weiter einschränkt.

DPA-Meldung (copyright dpa/lni):

Grüne: Landesregierung macht Zugeständnis an Hühnerbarone

Hannover (dpa/lni) - Die Hühner in niedersächsischen Käfighaltungen sollen von 2009 an enger zusammenrücken als in anderen Bundesländern. Grundlage hierfür ist ein Erlass von Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU), der nach Auffassung der Grünen rechtswidrig ist. "Wir sehen hier eine klare Gefälligkeit für die Legebatterie-Betreiber, die Hühnerbarone", kritisierte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Christian Meyer, am Dienstag in Hannover. Niedersachsen unterwandere als einziges Bundesland die bundesweite Verordnung, wonach Legehennen künftig etwas mehr Platz im Käfig bekommen. Die Grünen bewerten Käfighaltung generell als Tierquälerei und fordern ein Verbot.

Mit einer parlamentarischen Initiative will die Partei gemeinsam mit SPD und Linksfraktion den Erlass kippen. Ein Gutachten des Gesetzgebungs- und Beratungsdienstes des Landtages bestätige den "klaren Rechtsverstoß" im Ehlen-Erlass, sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Bei der neuen "Kleingruppenhaltung" leben 20 bis 60 Tiere in einem Käfig: Jeder Henne stehen nun mindestens 800 Quadratzentimeter zu, 250 Quadratzentimeter mehr als in der alten Legebatterie. Nach Ehlens Interpretation seien darin die Nestflächen bereits enthalten, erklärte Meyer. So könnten in Niedersachsen bis zu zwölf Prozent mehr Hühner pro Käfig gehalten werden. Dies sei ein Wettbewerbsvorteil zulasten des Tierschutzes.

Niedersachsen sei mit fast 13 Millionen Hühnern, die jährlich 3,5 Milliarden Eier legten, bei der Eierproduktion bundesweit vorne. Die Landesregierung verstehe sich immer noch als "Vorkämpfer für die Käfighaltung", kritisierte Wenzel, dabei sei die Nachfrage nach Käfigeiern rückläufig. Große Handelsketten hätten sie bereits komplett aus ihrem Sortiment genommen. Nach Angaben des Statistischen Landesamts sank die Zahl der Käfighaltungsbetriebe in Niedersachsen von 424 im Jahr 1993 auf 241 im Jahr 2007. Im gleichen Zeitraum habe sich die Zahl Zahl der Betriebe, die auf Öko-, Freiland- und Bodenhaltung setzen, mehr als verfünffacht - und zwar von 26 auf 144.

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