Schriftliche Anfrage im Landtag thematisiert mangelhaften Vogelschutz und umstrittenen Sandabbau bei Buxtehude Grüne werfen Landesamt Verheimlichung von Gutachten zum Wachtelkönigschutz vor

Der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion Christian Meyer wirft dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Stade vor, ein Umweltgutachten zum Wachtelkönigschutz aus ökonomischen Interessen verschwiegen zu haben. Wie Medien berichteten, sind in dem von der Arbeitsgemeinschaft Landschaftsökologie (Aland) im Auftrag des Landesamtes erstellten Gutachten konkrete Zahlen zum bedrohten Bestand des Wachtelkönigs bei Buxtehude für die Jahre 1998 bis 2009 enthalten. Während der 2009 erfolgten Genehmigung des Nassabbaus von 4,7 Millionen Kubikmeter Sand in diesem nach Einschätzung der Grünen "faktischen Vogelschutzgebiet" war ein eindeutiger Verbreitungsschwerpunkt des stark gefährdeten Wachtelkönigs noch von den Behörden abgestritten worden. "Aufgrund dieser offensichtlichen Vertuschung wurde dann der Eingriff in die Natur auf falscher Grundlage genehmigt", kritisiert Meyer die Genehmigung für den großflächigen Sandabbau.

In dem aufgrund eines Gerichtsurteils veröffentlichten Gutachten der Straßenbaubehörde werden aber nun die Argumente und Beobachtungen der Umweltschützer im wesentlichen bestätigt. "Der Sandabbau hätte gar nicht genehmigt werden dürfen, weil es EU-Gesetzen widerspricht, in einem faktischen Vogelschutzgebiet bedrohte Arten zu gefährden", sagt der Naturschutzexperte der Grünen.

In dem verschwiegenen Fachgutachten der Straßenbehörde werden darüber hinaus fehlende Artenschutzmaßnahmen für das Vogelschutzgebiet wie eine Pflege der Gründlandbrachen und ein gezieltes Wassermanagement eingefordert. Nach dem Gutachten ist der Bestand des Wachtelkönigs von 49 Rufpaaren 2002 auf nur noch 5 Rufpaare 2009 drastisch zurückgegangen. Zurückgeführt wird dies auf die zahllosen Beeinträchtigungen und Umweltzerstörungen wie Grünlandumbruch und Sandabbau. Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen sei das Vogelschutzgebiet infrage gestellt.

"Anscheinend wurde dieses Gutachten bewusst bei den Genehmigungsverfahren zum Sandabbau verheimlicht und ein Verstoß gegen EU-Naturschutzgesetze billigend in Kauf genommen", kritisiert der Grüne Landtagsabgeordnete Meyer die Naturzerstörung.

In einer schriftlichen Anfrage will der Grüne nun zusammen mit seinem Kollegen Hans-Jürgen Klein (GRÜNE) wissen, warum das Aland-Gutachten trotz wiederholter Nachfragen von Umweltverbänden verschwiegen wurde und sich bei den Genehmigungen nur auf veraltete Zahlen von 1998 berufen wurde, obwohl neuere Zahlen vorlagen.

Außerdem hätten die Gutachter vom Straßenbauamt den Auftrag erhalten, nur die Ergebnisse der eigenen Kartierungen zu berücksichtigen. Nach landesweiten Bewertungsvorgaben hätten jedoch auch Beobachtungen ortsansässiger Vogelkundler berücksichtigt werden müssen, kritisieren die Grünen.

Meyer fragt in der Anfrage ausserdem, warum es für das seit 2006 bestehende Naturschutzgebiet bislang keine Hinweistafeln gibt, obwohl die Wohnbebauung aus Buxtehude und Neu-Wulmstof ganz in der Nähe ist. "Naturschutz den keiner kennt, ist auch nicht wirksam", meint Meyer und fordert eine angemessene Beschilderung, wie es vorgeschrieben ist.

Die insgesamt 13 Fragen werden auch auf der Homepage der Stader Grünen veröffentlicht. Gemeinsam fordern BÜNDNIS 90/Die Grünen in Land, Kreis und vor Ort "endlich konkrete Schutzmaßnahmen für den Wachtelkönig und eine Ausweitung des Vogelschutzgebietes, um den Bestand der bedrohten Vögel vor dem Aussterben zu retten.  "Wenn die Natur stirbt, stirbt auch immer ein Teil unserer schönen Heimat", sagt Meyer.

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