Grüne warnen vor verwässerten Nationalparkplan Harz

Öffentlichkeitsbeteiligung nicht verkürzen

Im Nationalpark Harz drohen Rückschritte beim Schutz der Natur. Darauf machen GRÜNEN-Politikerinnen und Politiker aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen aufmerksam. Anlass ist der Entwurf des ersten gemeinsamen Nationalparkplans für die beiden Bundesländer, in dem unter anderem geregelt ist, wie Waldflächen und Ökosysteme forstlich genutzt werden können. "Es ist gut, dass es bald einen gemeinsamen Nationalparkplan gibt. Das bietet Chancen, z. B. für neue Jobs im Tourismus. Aber man sollte sich nicht auf dem niedrigsten gemeinsamen Nenner der beiden Pläne treffen", kommentiert der Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen-Anhalt, Christoph Erdmenger.

Die Bündnisgrünen stören sich daran, dass der bisher in Sachsen-Anhalt gültige Grundsatz "Natur Natur sein lassen" verlassen werde. "Diesen international anerkannten Grundsatz anzuerkennen, wäre eine Chance auch für den niedersächsischen Teil gewesen", kommentiert der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen im Landtag Niedersachsen, Christian Meyer. So soll in den Naturentwicklungszonen des Nationalparks eine Waldentwicklung durch Anpflanzung erfolgen anstatt die langfristigere spontane Eigenentwicklung zuzulassen. "Ein solcher Wald ist aber in seiner Altersklassenzusammensetzung vielfältiger und stabiler", beschreibt Meyer die Vorteile.  Zudem plane die Verwaltung, auch gebietsfremde Baumarten zuzulassen. Saat- und Pflanzgut aus gebietsfremden Herkünften wäre dann auch im Nationalpark, dem bedeutendsten Schutzgebiet Sachsen-Anhalts, zulässig.

Auch bei der Jagd üben die Grünen Kritik. Im neuen Plan soll z. B. eine Winterfütterung ("Kirrung") von Wildschweinen zulässig sein, um sogenannte Fraßschäden zu vermeiden. Undine Kurth: "Wenn es zu übermäßigen Baumschäden durch Wildschweine kommt, ist das ein Indiz für zu große Bestände. Die werden durch eine Winterfütterung aber erst recht größer." Entlang der äußeren Grenzen des Nationalparks ist nach Meinung der Bündnisgrünen die Jagd notwendig, um zu hohe Wildtierdichten in angrenzenden Wirtschaftswäldern zu vermeiden. In der Kernzone eines Nationalparks darf eine Jagd aber grundsätzlich nicht erfolgen, weil sie dort unnötig stark in die natürliche Entwicklung eingreift.

Die Bündnisgrünen kritisieren zudem, dass die laufende Öffentlichkeitsbeteiligung sich über die Weihnachtsfeiertage erstreckt. "Das ist nicht bürgerfreundlich. Eine längere Beteiligung ist immer zulässig", kritisiert die Bundestagsabgeordnete Undine Kurth. Dass etwas mehr Zeit dem Werk gut tun würde, zeige sich auch an Details. So ist der Wegeplan im Nationalpark, der vor Ort viel diskutiert wurde, nicht einmal in Grundzügen Teil des Nationalparkplans.

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