Christian Meyer MdL

Mitglied des Niedersächsischen Landtages
Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Bienensterben

Bedeutung und Gefährdung der Honigbienen

Fachgespräch Bienensterben zeigt Bedrohung der Imkerei

80 Prozent der Kulturpflanzen sind auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen. Der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung wird allein in Deutschland auf ca. zwei Milliarden Euro jährlich geschätzt. Rund ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion und wahrscheinlich zwei Drittel der wichtigsten Nahrungspflanzen sind von Bestäubungsinsekten, und dabei insbesondere von Bienen, abhängig. Die Biene ist damit von hoher Bedeutung für den Ertrag und die Vielfalt an gesunden Lebensmitteln. Auch die überwiegende Zahl der Wildpflanzen ist zur Vermehrung auf die Insektenbestäubung angewiesen. Ohne diese sind viele Arten im Fortbestand gefährdet. Doch die Anzahl der Honigbienen sinkt weltweit alarmierend. Eine Ursache hierfür liegt in der unkontrollierten Verwendung von bienengefährlichen Pestiziden, wie Clothianidin. Dieses führte im Frühjahr 2008 in Baden-Württemberg zu einer Vergiftung von 500 Millionen Bienen. Auch die Agro-Gentechnik und die unzureichenden Abstandsregeln zu gentechnikfreier Produktion stellen ein großes Problem für ImkerInnen und Bienen dar. So produziert zum Beispiel die Gen-Maissorte MON-810 während ihres gesamten Wachstums Insektengift, das den Honigbienen direkt schadet. Gleichzeitig führen immer neue Krankheiten zu einem anhaltenden Bienensterben. Die zunehmende Krankheitsanfälligkeit wird zusätzlich durch die Dezimierung des Lebensraums und dem höheren Stress verschärft. Die Existenz der 8000 ImkerInnen in Niedersachsen ist massiv gefährdet, was durch eine verantwortliche Politik vermeidbar wäre.

Keine andere Berufsgruppe spürt die Auswirkungen einer Landnutzung, die auf den Einsatz von Pestiziden und Agrogentechnik setzt, so deutlich wie die ImkerInnen.

Daher haben Bündnis 90/Die Grünen am 6. November 2008 zu einem öffentlichen Fachgespräch in den niedersächsischen Landtag eingeladen, um gemeinsam mit allen Interessierten und Betroffenen über die Bedeutung und die Gefährdung der Honigbiene und der Imkerei zu diskutieren. Zu den Themen Situation der Honigbiene, Naturschutz, Auswirkungen von Pestiziden auf Bienen und die Gefahren der Agrogentechnik konnten wir wichtige  ReferentInnnen gewinnen.

Dass ein Gespräch wie dieses schon viel zu lange auf sich warten lies, zeigte sich an der zahlreichen Teilnahme. So haben über 250 Interessierte und betroffene ImkerInnen und BioImkerInnen in dem Fachgespräch viel Kritik und wichtige politische Forderungen formuliert:

Schutz der Bienen und der Imkerei

Politische Forderungen:

  1. Die ökonomische und ökologische Bedeutung der Biene und der Imkerei muss der Öffentlichkeit stärker bewusst gemacht werden.
  2. Akut und chronische wirkende Bienengifte dürfen in der Landwirtschaft nicht mehr eingesetzt werden. Die Neuregelung der EU-Pestizidrichtlinie muss das Verbot von Bienengiften beinhalten. Clothianidin und andere ähnliche Bienen gefährdende Pestizide müssen vollständig verboten werden.
  3. Die Bienenschutzverordnung muss im Zusammenhang mit der Pestizidaufbringung verbessert werden.
  4. Nicht die Imker müssen den Bienenschaden nachweisen, sondern die Pestizidhersteller ihre Bienenunschädlichkeit. Die Beweislast muss zugunsten der Imkerinnen und Imker umgekehrt werden.
  5. Der weite Flugradius von Bienen ist im deutschen und europäischen Gentechnikrecht mit Abstandsflächen von 150 bis 300 Metern nicht hinreichend berücksichtigt. Abstandsregelungen von GVO-Feldern zu konventionell und ökologisch bewirtschafteten Feldern und Naturschutzgebieten sind als erster Schritt umgehend zu verbessern und an den Flugradius der Bienen anzupassen. Die Ausbreitung der Agrogentechnik muss verhindert werden. Die Imkerei braucht eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Koexistenz ist nicht möglich.
  6. Die Forschung zur Bienengesundheit muss intensiviert sowie ein flächendeckendes und industrieunabhängiges Bienenmonitorring durchgeführt werden. Die Tests zur Bienenverträglichkeit von Pestiziden und der Koexistenzfähigkeit von MON 810 müssen unter Einbeziehungen des Bienenstocks als Gesamtorganismus und der Bienenbrut durchgeführt werden. Außerdem muss mit dem vom bt-Mais tatsächlich produzierten Insektengift getestet werden und nicht mit einem im Labor künstlich hergestellten bt-Gift.
  7. Honig mit Genpollen darf nicht in den Verkehr gelangen. Imkerinnen und Imker müssen daher bei Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Pollen diejenigen haftbar machen können, die Verursacher der gentechnischen Kontamination sind.
  8. Förderung des Naturschutzes. Eine ausgeräumte Agrarlandschaft ohne Blühstreifen ist nicht gut für die Bienen. Wir brauchen daher mehr Vielfalt und Biotopschutz in der Agrarlandschaft. Eine deutliche Ausweitung der Blühstreifen, Streuobstwiesen und Agrarbiotope sind für Überleben der Honigbiene unerlässlich.
  9. Investitionen in die Beratung von Imkern und Imkerinnen und die Werbung von Nachwuchs für die Imkerei sowie mehr Attraktivität durch die Abschaffung von unnötigen bürokratischen Bestimmungen.
  10. Für den Erhalt und die Förderung der Imkerei sind nicht nur alle politischen Ebenen gefordert, sondern auch die Vernetzung und die Interessenartikulation der Imkerinnen und Imker. Bündnis 90/Die Grünen werden die Imker und Imkerinnen hierbei unterstützen. Bienen sind für eine ökologisch nachhaltige Gesellschaft unverzichtbar!
Rund 150 Gäste verfolgten Vorträge und Diskussion
Die Referenten der Veranstaltung mit Christian Meyer (MdL), 2. von links

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