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3. August 2010

Naturschutzgebiet ohne Beschilderung - Grüne kritisieren mangelnden Vogelschutz im Landkreis Stade

"Als ausweichend und am Kernthema vorbei", hat der Landtagsabgeordnete der Grünen und naturschutzpolitische Sprecher seiner Fraktion Christian Meyer die jetzt vorliegende Antwort der Landesregierung zu den verschwiegenen Gutachten zum Wachtelkönigbestand im Landkreis Stade bezeichnet. Die Grünen hatten aufgrund von Presseberichten über das Verschweigen eines von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr unveröffentlichten Gutachtens bei der Einrichtung von Naturschutzgebieten, Sandabbau und Verkehrsplanungen gefragt. In dem Gutachten der Arbeitsgemeinschaft Landschaftsökologie (Aland) wurde eine Erweiterung des EU-Vogelschutzgebietes "Moore bei Buxtehude" zugunsten des in der Region vom Aussterben bedrohten Wachtelkönigs gefordert. Der Bestand des geschützten Vogels war innerhalb von 10 Jahren von 20 Brutpaaren auf nur noch zwei Brutpaare abgesunken und die Naturexperten hatten umfangreiche Pflege- und Schutzmaßnahmen gefordert. Anderenfalls sei das Aussterben der Art in dem Gebiet zu befürchten. Gründe für den Artenschwund seien laut Gutachtern die Vermaisung der Landschaft ("drastische Fehlentwicklung"), der Sandabbau und ein fehlendes Wasser- und Grünlandmanagement.

Obwohl dieses Gutachten der Straßenbaubehörde vorlag, wurde es bei der Errichtung des Naturschutzgebietes 2006 nicht berücksichtigt.

"Die Landesregierung scheint der Naturschutz insgesamt nichts wert zu sein", kritisierte Meyer. "So sind seit vier Jahren bis heute keinerlei Hinweisschilder auf das Naturschutzgebiet aufgestellt, obwohl dies vorgeschrieben ist. Erst auf unsere Anfrage hin wurde vom Land endlich eine Beschilderung in Auftrag gegeben, aber noch nicht vollzogen. Das ist Naturschutz, den keiner kennt!"

Auch ein massiver Grünlandumbruch in dem betroffenen Gebiet wurde von der Landesregierung bestritten. Vielmehr seien stillgelegte Flächen, auf denen der Wachtelkönig Unterschlupf fand, wieder in ackerbauliche Nutzung genommen worden. Dabei ist die Brut des nur noch auf 200 bis 800 Brutpaare in Niedersachsen geschätzten Langstreckenzugvogels besonders durch maschinelle Arbeiten auf landwirtschaftlichen Flächen gefährdet. Die CDU/FDP-Landesregierung schreibt jedoch: "Der Anbau von Mais ausserhalb bestehender Schutzgebiete gehört zur ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung. Ebenso die Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland".

Ein naturschutzfachliches Kooperationsprogramm für Dauergrünland würde von den "ortsansässigen Landwirten bisher allerdings nur sehr zurückhaltend angenommen", schreibt die Landesregierung selbstkritisch. Als mögliche Gründe hierfür werden die "nicht absehbaren Folgen im Zuge des Baus der Autobahn 26" genannt, "die einen Verlust bzw. eine Beeinträchtigung landwirtschaftlicher Nutzungsmöglichkeiten mit sich bringen könnten."

Zusätzliche Anstrengungen für mehr Vertragsnaturschutz und Pflegemaßnahmen will die Landesregierung aber trotz des Artenschwundes nicht ergreifen, kritisierten die Grünen. Das Land kritisiert dabei auch die Naturschutzverodnung des Landkreises: "Die Verordnung enthält jedoch keine weitergehenden Bestimmungen zur Extensivierung der Nutzung oder Schaffung zusätzlicher Saumstrukturen im Hinblick auf eine Verbesserung des Erhaltungszustandes für den Wachtelkönig. Ergänzend erforderliche Maßnahmen werden auf Grundlage der Bestandserfassungen zu prüfen und ggf. umzusetzen sein."

Die Grünen forderten eine umgehende Umsetzung der im Fachgutachten vorgeschlagenen Schutz- und Pflegemaßnahmen um das Vogelschutzgebiet zu erhalten. Meyer: "Naturschutz darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss zum Schutz unserer Heimat und Tierwelt auch in der Praxis umgesetz werden."

 

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